13.02.2015
Investitionen in Afrika

Auf der Sonnenseite

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In Afrika zu investieren ist für viele Banken und Firmen aus Deutschland immer noch ein unkalkulierbares Risiko. Dabei bietet der Kontinent enormes Potenzial. Ein Berliner Unternehmen zeigt, dass es sich lohnt, den Schritt gen Süden zu wagen. Von Jan Fulle

Afrika scheint für deutsche Firmen ein unwirklicher Ort zu sein, wenn es um ein unternehmerisches Engagement geht. Denn trotz positiver Entwicklungen in den letzten Jahren betragen die Afrika-Investitionen deutscher Firmen laut dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) lediglich 8,1 Milliarden Euro (Stand: 2012). Auch das Handelsvolumen spricht Bände: Gerade einmal 1,3 Prozent des deutschen Außenhandels machte nach Angaben des Auswärtigen Amtes 2013 der Warenverkehr mit Afrika aus. In Zahlen sind das 26 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Im selben Jahr wurden zwischen der Bundesrepublik und Dänemark Güter im Wert von 27 Milliarden Euro getauscht.

Banken scheuen Kreditvergabe

Unternehmen, die sich für ein Engagement auf dem südlichen Kontinent entschieden haben, stoßen bei der Kapitalbeschaffung zu oft auf Banken, die sich mit der Kreditvergabe zurückhalten. Die meisten Geldhäuser sehen das Investitionsrisiko in Afrika immer noch als zu groß an, bemängelt Thomas Duveau, Head of Business Development, beim Solarmodulproduzenten Mobisol und verweist auf eigene Erfahrungen bei der Kreditsuche. Dabei finden sich zum Beispiel im Doing Business Report der Weltbank, der das Investitionsklima bewertet, immer mehr afrikanische Staaten unter den Top 100 und etwa vor China. 

Darüber hinaus stimmen die Wachstumszahlen optimistisch. Im Schnitt wuchs das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der afrikanischen Länder jährlich um gut 5 Prozent. In den letzten zehn Jahren ist die afrikanische Wirtschaft sogar um 30 Prozent gewachsen. Im gleichen Zeitraum lag das Wirtschaftswachstum der EU gerade einmal bei 1,2 Prozent.  

„In der Folge steigen immer mehr Afrikaner in den Mittelstand auf und können sich auch mehr Konsum leisten. So wird Afrika zum Markt, durchaus auch für deutsche Unternehmen“, heißt es diesbezüglich bei der Deutschen Investitions- und Entwicklungsgesellschaft (DEG). Die DEG ist spezialisiert auf die Finanzierung und fachliche Unterstützung von Vorhaben in Entwicklungs- und Schwellenländern.

Investoreninteresse steigt

Die positive Entwicklung der afrikanischen Volkswirtschaften spiegelt sich auch in der erhöhten Vergabe von Krediten an Unternehmen wider, die eine Investition in Afrika planen.  „Die Zusagen der DEG in Afrika sind seit 2010 kontinuierlich angestiegen, wobei die Dynamik in den letzten beiden Jahren deutlich zugenommen hat“, erklärt die DEG.

So machte das Kreditvolumen mit Bezug zu Afrika im letzten Jahr bereits 416 Millionen Euro aus. Damit haben sich die Kreditzusagen innerhalb von vier Jahren fast verdoppelt. 240 Millionen Euro gingen davon in die Subsahara-Region. Derzeit sind nur die Zusagen mit Bezug zu Asien höher. Für deutsche Unternehmen sei es nun Zeit, in Afrika Fuß zu fassen, heißt es bei der DEG. Gerade im Bereich High-Tech böten sich erheblich Chancen für die deutsche Wirtschaft. 

Wer wagt, der gewinnt

Dass sich Investitionen in Afrika für Unternehmen aus Deutschland durchaus lohnen, zeigt das Beispiel von Mobisol aus Berlin. Das Friedrichshainer Start-Up entwickelt kompakte Solarsysteme für Privathaushalte auf dem südlichen Kontinent und ist damit sehr erfolgreich. 

„Bei einer Elektrifizierungsquote von nur circa 30 Prozent und einer Bevölkerung von circa 580 Millionen ohne Stromanbindung müssen wir uns um die Nachfrage keine Sorgen machen“, gibt sich Thomas Duveau optimistisch. Auf die Frage, warum sich bislang vergleichsweise wenig Firmen aus Deutschland in Afrika engagieren, entgegnet er: „Viele Unternehmen zögern, weil sie die Bedürfnisse der afrikanischen Länder nicht verstehen und eine falsche Einschätzung des Risikos haben.“

Das Mobisol-Geschäftsmodell ist hingegen komplett auf die Gegebenheiten vor Ort zugeschnitten: Bezahlt wird beispielsweise per Mobiltelefon und speziell ausgebildete einheimische Mitarbeiter kümmern sich um die Wartung der Anlagen. Sollten Zahlungen der Kunden ausbleiben, können die Module von Berlin aus abgeschaltet werden.

Doch auch bei Mobisol hielten sich die Banken in der Anfangsphase mit Krediten zurück. „Unser erster Investor kam aus der Solarbranche“, sagt Duveau. „Nach erfolgreichem Abschluss der Pilotphase konnten wir weitere Geber und Entwicklungsbanken wie zum Beispiel die DEG überzeugen.“ Mittlerweile sähen auch Privatbanken wie Investoren das Potenzial der Geschäftsidee und zeigten ein erhöhtes Interesse an Investitionen in das Unternehmen, erklärt der Entwicklungsbeauftragte. Kurzum: Für Mobisol hat sich der Schritt nach Afrika in jedem Fall gelohnt.  

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